
Samstag, 07.07.2007!
Nach einem, von viel zu vielen, weiteren Ultraschall am 06.07.07 in der Klinik und einem mittlerweile sehr verbundenem Plausch mit der Chefärztin, man kannte sich...
Wurde uns kopfschüttelnd erzählt, wie viele schwangere Frauen/Pärchen doch unbedingt am 07.07. entbinden wollten und das dauernd Anfragen nach Wunschkaiserschnitten kamen. Sie diesen Wünschen aber garantiert nicht nachkommen würden, schließlich sei zudem auch noch Samstag...
Das Wetter war durchwachsen, glaube man dran, dann würden sich eh das ein oder andere Baby auf dem Weg machen.
Es wurde festgestellt, dass ich, ausgerechnet ich, es ja nun doch schwanger in die 39. Woche geschafft hatte. Eigentlich feierten wir alle und ich war überzeugt, ich werde noch übertragen! Jaaa! So!
Der Ultraschall und die Tatsache - eigentlich gar kein Fruchtwasser mehr und die Plazenta, die ewig das Übel war, war völlig zerlöchert und verbraucht.
Am nächsten Morgen, vor genau einem Jahr stand ich wieder einmal im Kreissaal und die Einleitung wurde begonnen. Mit einem Zentimeter geöffnetem Muttermund, eine Woche vor ET und eigentlich ganz guter Laune wurde um kurz vor 08:00h das erste Gel gelegt und mal wieder laannggee CTG geschrieben.
Ich regte mich innerlich wegen der fehlenden Möglichkeiten das Fenster öffnen zu können auf, einige viele Stunden später hatte ich eine Vorstellung davon, warum im 3. Stock im Kreissaal keine Fenster zu öffnen waren... ;-)
Bis Mittags merkte ich gar nichts, also gingen wir auf Station und mein Zimmer wurde mir gezeigt. Ich hatte Glück, das Luxus-Zimmer zu bekommen. Die Station war überfüllt, da war ich doch schon froh 'geplant' gewesen zu sein. Ich hatte ein Zweibettzimmer, welches mehr als doppelt so groß wie die üblichen Dreibettzimmer war.
Es gab eine 'Einweisung' in das Zimmer und die Technik und dann auch schon essbares Mittagessen - sogar auf meine Laktoseintolleranz wurde sofort eingegangen.
Nach dem Mittag leichtes, ganz leichtes Ziehen. In den kommenden 2 Stunden wurde es stärker, es gab die nächste Portion Gel und wieder CTG.
Das Ziehen wurde stärker.
Holger und ich gingen in den kleinen Klinikpark und wieder auf mein Zimmer. Gegen 16:00 Uhr kamen ganz gemach kurze Aua-Wehen, ich veratmete die erste Wehe und ging wieder zum CTG und dann nach Draußen und dann Abendessen und dann gegen 18:45h habe ich mich im Bad frisch gemacht und brauchte unbedingt bequemere Klamotten, teilweise wehte es sehr regelmäßig, dann war plötzlich alles weg. Ich ging auf Klo und anschließend arbeitete ich mich wieder auf das, für mich Zwerg, viel zu hohe Bett. In dem Augenblick, in dem ich saß, merkte ich - da läuft, ok sübbselt etwas...
Vorsichtig bin ich wieder aufs Klo und vom Geruch her konnte ich dann sicher sein, die Fruchtblase war geplatzt.
Für die Schwestern und Hebammen auf Station war ich das Highlight, denn es gab nur eine Geburt an dem Tag und zwei Tage zuvor die letzte. Die Geburt des Tages und die Mama lagen auf meinem Zimmer - der Kleine hat tatsächlich am 07.07.07 um 07:05h das Licht der Welt erblickt.
Mein Aktionismus war überschwenglich, WIR bekommen das Baby auch heute, auch wenn ausgerechnet wir unbedingt nicht den Datumshype wollten. Nicht unsere Welt. (Wie gut das zu dem Zeitpunkt niemand die Wahrheit sagte...)
Eine Stunde früher als geplant lagen wir wieder im Kreissaal, also gut, ich lag, Holger saß. Ja, es war die Fruchtblase und ja, die Wehen wurden stärker und regelmäßiger und ich hing wieder am CTG. Im Anschluss sind wir wieder in den Park, bis ca. 21:00h. Ich musste veratmen, regelmäßig, konnte nicht mehr gehen, wenn eine Wehe kam.
Um 22:30h wieder geplantes CTG und Muttermundkontrolle (niemals hatte ich mich so darauf gefreut! *gg*) - 1 cm!!! Ein beschi**ener cm!!!
Ich wurde auf Station geschickt, mit einem ersten Schmerztropf (was hatte ich ein halbes Jahr zuvor getönt, wie natürlich ich alles will und mache... *g*), ich sollte mich ausruhen und schlafen...
Der Tropf brachte nicht viel, ich war am Wehen...
An Schlaf war nicht zu denken, gegen Mitternacht schickte ich Holger nach Hause, wenigstens er solle schlafen. Vorsichtshalber ging er zuvor noch in den Kreissaal und fragte die Hebammen, ob er wirklich gehen solle... :)
Mit dem Blasensprung war es so eine Sache, ich bekam Antibiotika. In kurzen Abständen wurde mein Blut kontrolliert, ich bekam ein Fieberthermometer und sollte etwa alle drei Sunden messen und mich melden, wenn die Temperatur hoch geht. Ansonsten lief halt ab und an etwas, aber da ich ja nur noch äußerst wenig Fruchtwasser hatte, fing das Bißchen eigentlich schon fast eine bloße Slipeinlage auf...
Ich schaute Live Earth - Konzerte und war froh zu den 'Foo Fighters' und 'Red Hot Chili Peppers' meine Ruhe zu haben. Die beiden Bands waren halt in meinem Leben etwas besonderes und sollten auch an meiner Entbindung irgendwie dran teilhaben. Immerhin war Kira-Würmchen wohl der kleinste unbekannte Besucher auf dem RHCP - Konzert im November 2006 in Stuttgart. Den Tag danach lernte ich die Schwangerschaftsübelkeit kennen. *g*
Denke ich an die Zeit unserer Verlobung summt mein Kopf automatisch 'Best Of You' von den FF.
Bei Genesis war ich eingeschlafen.
Sonntag, 08.07.2007
Am Morgen gab es Frühstück und Holger war bereits wieder an meiner Seite. Um 08:00h ging es wieder hochmotiviert in den Kreissaal. Die Nacht hatte sicherlich was gebracht...
Es wurde diskutiert, ohne mich - über mich!
Die Chefärztin wollte wissen, ob ich trotz Crohn, der ja inaktiv, nicht doch mal eine Tablette versuchen wolle. Ich stimmte zu, bekam die Tablette, Muttermund 1cm und lag am CTG. Die Wehen wurden gut stärker, eigentlich tat es nur unkontrolliert, so kam es mir vor, im unteren rechten Rücken weh, richtig dolle...
Zwischendrin wurde mir zum xten Mal Blut abgenommen und meine Arme waren schwarz-blau... Venen sind bei mir eh Mangelware, also welche die noch zugänglich sind...
Ich sollte Mittagessen gehen und dann wieder kommen.
Den Geruch des Fruchtwassers konnte ich nicht mehr ab, ich wurde langsam aggressiv, traurig und wütend.
Das Mittagessen schmeckte nicht, ich röchelte etwas auf dem Bett und dann watschelte ich begleitet von Holger wieder in den Kreissaal.
Wieder CTG, wieder liegen, ich hatte schmerzen und langsam bekamen das auch die Hebammen ab...
Meine in der Schicht liebste Hebamme nahm sich mir voll an.
Wir versuchten mit diversen Globulis und einem Einlauf nachzuhelfen.
Holger schickte ich zum Mittagessen nach unten. ;-)
Wehen hatte ich etwa alle 3 Minuten, seit mehreren Stunden.
Der Muttermund immer noch 1cm.
Ich ging runter Holger suchen und wir spazierten durch die Klinik und irgendwann gab es Abendessen und gegen 18:00h waren wir wieder im Kreissaal. Nachdem mir noch etwa 5 mal Blut abgenommen wurde.
Ich lag etwa eine Stunde am CTG, dann kam oben genannte Hebamme und ließ mir ungefragt ein Aromabad im Gebärraum gegenüber ein.
Etwa eine Stunde lag ich in der Wanne und fand richtig gefallen daran, dort würde ich vielleicht doch bleiben - seit vielen Stunden hatte ich etwas Entspannung.
Mir ist aufgefallen wie alleine ich eigentlich die letzten zwei Tage dort war.
Sonst war es immer sehr voll im Kreissaal, wenn ich an den Wochenende zu Kontrollen musste und so, aber nun war irgendetwas anders, ganz anders. Ich hatte immer freie Raumwahl...
Um kurz vor 20:00h kam die Hebamme und fragte ob ich eine PDA möchte, der Muttermund mache keinerlei Fortschritte, aber langsam solle etwas geschehen - ich müsse zudem aus der Wanne und man würde nun einen Wehentropf anhängen, ohne Baby ginge es nicht mehr aufs Zimmer.
Ich dachte gar nicht richtig nach, ich wollte diese sch*iß PDA!!!
Die Anästhesistin war genau nach meinem Geschmack, sarkastisch!
Begrüßung: 'Herrje, ich brauche erstmal einen Schnaps! Hat sich mal jemand hier die Entzündungswerte angeschaut?' 'Deswegen brauchen wir gerade die PDA...'
Ich hörte nur halb zu und suchte eine passende Wehenpause um den Startschuss zu geben. Hm, Entzündungswerte. Holger machte verzweifelt den Papierkram und verwies nur noch auf meine dortige dicke Akte
Die PDA lag, es wurde einen Moment schmerzfrei und mein Bett wurde in den Raum geschoben.
Der Wehentropf lief und ich lag im Bett am CTG.
Nach zwei Stunden wurde die PDA aufgespritzt, es war etwas nach Mitternacht, mein Rücken drohte vor Schmerz zu brechen, oder war er bereits gebrochen?!
Holger döste im Lehnstuhl neben mir.
Ich wurde wütend und weckte ihn, er könne mir ja wohl wenigstens den Rücken kneten, ich konnte schließlich auch nicht schlafen.
Gegen 02:00h kam eine Hebamme mit der ich nicht hätte entbinden können, das wusste sie, das wusste Holger und das wusste ich...
Wir haben uns eigentlich nur angezickt, aber sie hat am frühen morgen nachgegeben, mehr oder weniger.
Sie wollte kurz mit dem Einmalkatheder Urin ablassen. Bitte! Es kam nichts, auch zwei Stunden später nicht. Auf dem Gang wurde es unruhig, es wurde diskutiert, mal wieder...
Gegen 06:00h war ich fertig und mein Mann wagte es zu kneten aufzuhören, weil er meinte seine FINGER und HÄNDE könnten nicht mehr!
Meine Stimmung war auf dem totalen Nullpunkt, ich begann die Leute anzuflehen und heulte völlig hormongesteuert.
Ich wollte mein Baby draussen haben. Die Wehen beruhigten sich nicht mehr, ich war froh, das die Fenster sicher verriegelt waren.
Ich brauchte die PDA aufgespritzt, ich wollte laufen und die Geburt weiter anheizen. Die Hebamme machte sich noch unbeliebter: 'Wir spritzen die PDA auf, wenn wir nochmals eine halbe Stunde CTG schreiben!' Holger blickte mich verlegen an und ich heulte los. Verdammt, ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits zwei Tage Wehen und seit Blasensprung regelmäßige eingeleitete Wehen, mein Rücken war nur noch ein Schmerzklumpen. Und sie wollten verhandeln...?!
Ich fragte wie es weiter gehen würde, der Muttermund war bei 2 cm, ich hatte irgendwas mit meinen Entzündungswerten im Kopf...
Ich sollte gleich mit der Ärztin reden.
Sie sagte mir kurze Zeit später, dass man mir nur noch bis Mittag geben würde und es eigentlich auf natürlichem Wege eher schlecht aussähe.
Sie hätte einen geplanten Kaiserschnitt, wenn ich mich sofort entscheide, dann könnte ich vor.
Ein Blick erübrigte alles: Kaiserschnitt.
Die nächste, auch bereits bekannte Hebamme, stand im Raum und begann kurz etwas zu rasieren und ich bekam dieses ekelige Magenschutzmittel und Holger eilte auf Klo, nachdem er wieder Papierkrams auf meine Akte verwies.
Der Arzt, der mir in der Abteilung immer suspekt vorkam, da er immer nur irgendwo stand und guckte sprach zu mir! Er klärte mich auf und sagte einmal mit Nachdruck, dass ich mich richtig entschieden habe.
Mir wurde von meiner Oberärztin, sie hatte damals auch Kira geoutet, erklärt dass es sein könnte, dass sie Kira direkt auf die Säuglingsintensiv bringen, es sei halt nicht so leicht und wenn, dann nur zur Sicherheit, es sei dann besser so. Aha!
Konnte zum Glück kaum denken. Macht doch...
Und los ging es, auf dem Gang vor dem Kreissaal sah uns Holger auch noch aus dem Augenwinkel zu den Fahrstühlen gehen, naja ich wurde geschoben, und er sprintete hinterher.
Im Keller wurde ich dann eingeschleust und Holger sollte warten, es würde sich jemand um ihn kümmern.
Ich lernte einen neuen, sehr netten, Anästhesisten kennen und wir machten scherze. Die PDA wurde ganz aufgespritzt und mir ging es so gut, ich konnte nicht fassen in wenigen Minuten Mutter zu sein. EKG Elektroden wurden aufgeklebt und die Sauerstoffversorgung über den Finger überprüft, nach etwa 10-15 Minuten ging es in den OP-Saal.
Tausende Leute waren anwesend. Mein Mann noch nicht!
Eine weitere Ärztin stellte sich vor, viele OP-Schwestern standen um mich herum und alles taten etwas. Das Neonatologenteam kam und grüßte, verschwand dann in den Nebenraum. Meine Ärztin desinfizierte meinen Bauch, zwischenzeitlich wurde wohl auch der Blasenkatheder gelegt. Die erste Frage wer meinen Mann einschleusen würde, kam von der Oberärztin.
Nach weiteren 10 Minuten kam die Hebamme und meinte, mein Mann würde noch draußen sitzen. Sie fragte, warum er denn nicht schon hier sei.
Die Oberärztin fragte in den Raum wer denn überhaupt männlich sei.
Mein Anästhesist und jemand der heute das erste Mal im Praktikum in dieser Klinik sei. Dieser Jemand hat sich dann Mühe gegeben und Holger eingeschleust.
Ich bekam warme Laken auf Arme und Brust, denn ich zitterte sehr stark.
Endlich war auch Holger im OP und für mich gab es noch etwas Sauerstoff zusätzlich über die Maske.
Nun ging es auch 'endlich' los. Ich wurde ein letztes Mal gekniffen und merkte scheinbar wirklich nur noch das, was ich bemerken sollte.
Etwa 5 - 10 Minuten später zuckelte und ruckelte es etwas doller.
Mein Anästhesist stand auf und sagt mir es sei ein Mädchen mit vielen dunklen Haaren. Ein paar wenige Augenblicke später hörte man ein lautes Schreien und einige Sauger. Ganz plötzlich wurde ein ziemlich nasses und glibberiges und lauthals brüllendes Bündel über die Seite kurz zu uns gehalten und bevor man es wirklich erkennen konnte war klein Kira im Nebenraum kräftig brüllend bei den Neonatologen.
Holger und ich waren überwältigt.
Ein paar Minuten später lag Kira auf meinem Oberkörper schräg über das Gestänge des OP-Tisches und gluckste mich an. Eigentlich waren es Saugbewegungen, aber gut, sie musste mit der Hebamme und dem Papa wieder hoch in den Kreissaal.
Ich wurde genäht und konnte es eigentlich gar nicht fassen. Auch einen klaren Gedanken zu fassen fiel mir sehr schwer. Wahre Freude war es in dem Augenblick auch nicht... Ich war erleichtert und kam mir dennoch gleich etwas schäbbig vor. Ich genoss einen Moment lang einfach die Zeit und versuchte mich zu besinnen, was aber irgendwie gar nicht klappen wollte.
Kurze Zeit später war ich fertig und die Oberärztin unterhielt sich mit mir. Sie sagte, dass alles gut verlaufen sei und wie unerwartet kräftig unsere kleine Maus sei.
Sie erwähnte sehr eindringlich, dass unsere Entscheidung die einzigst richtige Entscheidung war. Kira hatte ihren Hals mehrfach um eine ziemlich lange Nabelschnur gewickelt und hatte scheinbar auch noch genügend Nabelschnur vor dem Kopf. Es wäre also nur eine Frage der Zeit gewesen bis zum Kaiserschnitt, denn ohne Probleme hätte man sie so nicht entbinden können. Zudem wurde mir versichert, hätten viele Frauen bereits lange vorher aufgegeben, aber das interessiert einen in dem Augenblick relativ sehr wenig.
Ich wurde den Weg den ich eingeschleust wurde zurückgefahren und kam dann in den Aufwachraum. Der dortige Arzt schaut kurz auf meinen Bauch und rief im Kreissaal an, man könne mich abholen. Dort hatte die Belegschaft wahrscheinlich wirklich die Schnautze voll von mir und sie verwiesen den Arzt auf die Station und wenig später, also nach nicht mal 20 Minuten wurde ich von zwei goldigen Schwestern abgeholt. Eine sprach mir ihr Mitgefühl aus, sie selbst hätte vor vielen Jahren eine ähnliche Geburt gehabt. Komisch fand ich das, denn ich wusste nicht ob ich glücklich oder Traurig war, ich wusste immer noch gar nichts, konnte es nicht fassen das es plötzlich sooo schnell ging.
In meinem Zimmer angekommen musste ich dann doch fragen wo mein Mann sei.
Bei meiner Bettnachbarin sorgte die Antwort, dass er noch im Kreissaal sei für lautes Lachen, denn sie wusste natürlich nichts vom Kaiserschnitt. ;-)
10 Minuten später hatte ich dann Kira und Holger für mich.
Wir sind eine Familie!
Noch zwei Tage, dann wird das Wunder ein Jahr alt!
07.07.2008

Kira Marie
09.07.2007
10:00 Uhr
51 cm
3280 g
Ludwigshafen
Nach einem, von viel zu vielen, weiteren Ultraschall am 06.07.07 in der Klinik und einem mittlerweile sehr verbundenem Plausch mit der Chefärztin, man kannte sich...
Wurde uns kopfschüttelnd erzählt, wie viele schwangere Frauen/Pärchen doch unbedingt am 07.07. entbinden wollten und das dauernd Anfragen nach Wunschkaiserschnitten kamen. Sie diesen Wünschen aber garantiert nicht nachkommen würden, schließlich sei zudem auch noch Samstag...
Das Wetter war durchwachsen, glaube man dran, dann würden sich eh das ein oder andere Baby auf dem Weg machen.
Es wurde festgestellt, dass ich, ausgerechnet ich, es ja nun doch schwanger in die 39. Woche geschafft hatte. Eigentlich feierten wir alle und ich war überzeugt, ich werde noch übertragen! Jaaa! So!
Der Ultraschall und die Tatsache - eigentlich gar kein Fruchtwasser mehr und die Plazenta, die ewig das Übel war, war völlig zerlöchert und verbraucht.
Am nächsten Morgen, vor genau einem Jahr stand ich wieder einmal im Kreissaal und die Einleitung wurde begonnen. Mit einem Zentimeter geöffnetem Muttermund, eine Woche vor ET und eigentlich ganz guter Laune wurde um kurz vor 08:00h das erste Gel gelegt und mal wieder laannggee CTG geschrieben.
Ich regte mich innerlich wegen der fehlenden Möglichkeiten das Fenster öffnen zu können auf, einige viele Stunden später hatte ich eine Vorstellung davon, warum im 3. Stock im Kreissaal keine Fenster zu öffnen waren... ;-)
Bis Mittags merkte ich gar nichts, also gingen wir auf Station und mein Zimmer wurde mir gezeigt. Ich hatte Glück, das Luxus-Zimmer zu bekommen. Die Station war überfüllt, da war ich doch schon froh 'geplant' gewesen zu sein. Ich hatte ein Zweibettzimmer, welches mehr als doppelt so groß wie die üblichen Dreibettzimmer war.
Es gab eine 'Einweisung' in das Zimmer und die Technik und dann auch schon essbares Mittagessen - sogar auf meine Laktoseintolleranz wurde sofort eingegangen.
Nach dem Mittag leichtes, ganz leichtes Ziehen. In den kommenden 2 Stunden wurde es stärker, es gab die nächste Portion Gel und wieder CTG.
Das Ziehen wurde stärker.
Holger und ich gingen in den kleinen Klinikpark und wieder auf mein Zimmer. Gegen 16:00 Uhr kamen ganz gemach kurze Aua-Wehen, ich veratmete die erste Wehe und ging wieder zum CTG und dann nach Draußen und dann Abendessen und dann gegen 18:45h habe ich mich im Bad frisch gemacht und brauchte unbedingt bequemere Klamotten, teilweise wehte es sehr regelmäßig, dann war plötzlich alles weg. Ich ging auf Klo und anschließend arbeitete ich mich wieder auf das, für mich Zwerg, viel zu hohe Bett. In dem Augenblick, in dem ich saß, merkte ich - da läuft, ok sübbselt etwas...
Vorsichtig bin ich wieder aufs Klo und vom Geruch her konnte ich dann sicher sein, die Fruchtblase war geplatzt.
Für die Schwestern und Hebammen auf Station war ich das Highlight, denn es gab nur eine Geburt an dem Tag und zwei Tage zuvor die letzte. Die Geburt des Tages und die Mama lagen auf meinem Zimmer - der Kleine hat tatsächlich am 07.07.07 um 07:05h das Licht der Welt erblickt.
Mein Aktionismus war überschwenglich, WIR bekommen das Baby auch heute, auch wenn ausgerechnet wir unbedingt nicht den Datumshype wollten. Nicht unsere Welt. (Wie gut das zu dem Zeitpunkt niemand die Wahrheit sagte...)
Eine Stunde früher als geplant lagen wir wieder im Kreissaal, also gut, ich lag, Holger saß. Ja, es war die Fruchtblase und ja, die Wehen wurden stärker und regelmäßiger und ich hing wieder am CTG. Im Anschluss sind wir wieder in den Park, bis ca. 21:00h. Ich musste veratmen, regelmäßig, konnte nicht mehr gehen, wenn eine Wehe kam.
Um 22:30h wieder geplantes CTG und Muttermundkontrolle (niemals hatte ich mich so darauf gefreut! *gg*) - 1 cm!!! Ein beschi**ener cm!!!
Ich wurde auf Station geschickt, mit einem ersten Schmerztropf (was hatte ich ein halbes Jahr zuvor getönt, wie natürlich ich alles will und mache... *g*), ich sollte mich ausruhen und schlafen...
Der Tropf brachte nicht viel, ich war am Wehen...
An Schlaf war nicht zu denken, gegen Mitternacht schickte ich Holger nach Hause, wenigstens er solle schlafen. Vorsichtshalber ging er zuvor noch in den Kreissaal und fragte die Hebammen, ob er wirklich gehen solle... :)
Mit dem Blasensprung war es so eine Sache, ich bekam Antibiotika. In kurzen Abständen wurde mein Blut kontrolliert, ich bekam ein Fieberthermometer und sollte etwa alle drei Sunden messen und mich melden, wenn die Temperatur hoch geht. Ansonsten lief halt ab und an etwas, aber da ich ja nur noch äußerst wenig Fruchtwasser hatte, fing das Bißchen eigentlich schon fast eine bloße Slipeinlage auf...
Ich schaute Live Earth - Konzerte und war froh zu den 'Foo Fighters' und 'Red Hot Chili Peppers' meine Ruhe zu haben. Die beiden Bands waren halt in meinem Leben etwas besonderes und sollten auch an meiner Entbindung irgendwie dran teilhaben. Immerhin war Kira-Würmchen wohl der kleinste unbekannte Besucher auf dem RHCP - Konzert im November 2006 in Stuttgart. Den Tag danach lernte ich die Schwangerschaftsübelkeit kennen. *g*
Denke ich an die Zeit unserer Verlobung summt mein Kopf automatisch 'Best Of You' von den FF.
Bei Genesis war ich eingeschlafen.
Sonntag, 08.07.2007
Am Morgen gab es Frühstück und Holger war bereits wieder an meiner Seite. Um 08:00h ging es wieder hochmotiviert in den Kreissaal. Die Nacht hatte sicherlich was gebracht...
Es wurde diskutiert, ohne mich - über mich!
Die Chefärztin wollte wissen, ob ich trotz Crohn, der ja inaktiv, nicht doch mal eine Tablette versuchen wolle. Ich stimmte zu, bekam die Tablette, Muttermund 1cm und lag am CTG. Die Wehen wurden gut stärker, eigentlich tat es nur unkontrolliert, so kam es mir vor, im unteren rechten Rücken weh, richtig dolle...
Zwischendrin wurde mir zum xten Mal Blut abgenommen und meine Arme waren schwarz-blau... Venen sind bei mir eh Mangelware, also welche die noch zugänglich sind...
Ich sollte Mittagessen gehen und dann wieder kommen.
Den Geruch des Fruchtwassers konnte ich nicht mehr ab, ich wurde langsam aggressiv, traurig und wütend.
Das Mittagessen schmeckte nicht, ich röchelte etwas auf dem Bett und dann watschelte ich begleitet von Holger wieder in den Kreissaal.
Wieder CTG, wieder liegen, ich hatte schmerzen und langsam bekamen das auch die Hebammen ab...
Meine in der Schicht liebste Hebamme nahm sich mir voll an.
Wir versuchten mit diversen Globulis und einem Einlauf nachzuhelfen.
Holger schickte ich zum Mittagessen nach unten. ;-)
Wehen hatte ich etwa alle 3 Minuten, seit mehreren Stunden.
Der Muttermund immer noch 1cm.
Ich ging runter Holger suchen und wir spazierten durch die Klinik und irgendwann gab es Abendessen und gegen 18:00h waren wir wieder im Kreissaal. Nachdem mir noch etwa 5 mal Blut abgenommen wurde.
Ich lag etwa eine Stunde am CTG, dann kam oben genannte Hebamme und ließ mir ungefragt ein Aromabad im Gebärraum gegenüber ein.
Etwa eine Stunde lag ich in der Wanne und fand richtig gefallen daran, dort würde ich vielleicht doch bleiben - seit vielen Stunden hatte ich etwas Entspannung.
Mir ist aufgefallen wie alleine ich eigentlich die letzten zwei Tage dort war.
Sonst war es immer sehr voll im Kreissaal, wenn ich an den Wochenende zu Kontrollen musste und so, aber nun war irgendetwas anders, ganz anders. Ich hatte immer freie Raumwahl...
Um kurz vor 20:00h kam die Hebamme und fragte ob ich eine PDA möchte, der Muttermund mache keinerlei Fortschritte, aber langsam solle etwas geschehen - ich müsse zudem aus der Wanne und man würde nun einen Wehentropf anhängen, ohne Baby ginge es nicht mehr aufs Zimmer.
Ich dachte gar nicht richtig nach, ich wollte diese sch*iß PDA!!!
Die Anästhesistin war genau nach meinem Geschmack, sarkastisch!
Begrüßung: 'Herrje, ich brauche erstmal einen Schnaps! Hat sich mal jemand hier die Entzündungswerte angeschaut?' 'Deswegen brauchen wir gerade die PDA...'
Ich hörte nur halb zu und suchte eine passende Wehenpause um den Startschuss zu geben. Hm, Entzündungswerte. Holger machte verzweifelt den Papierkram und verwies nur noch auf meine dortige dicke Akte
Die PDA lag, es wurde einen Moment schmerzfrei und mein Bett wurde in den Raum geschoben.
Der Wehentropf lief und ich lag im Bett am CTG.
Nach zwei Stunden wurde die PDA aufgespritzt, es war etwas nach Mitternacht, mein Rücken drohte vor Schmerz zu brechen, oder war er bereits gebrochen?!
Holger döste im Lehnstuhl neben mir.
Ich wurde wütend und weckte ihn, er könne mir ja wohl wenigstens den Rücken kneten, ich konnte schließlich auch nicht schlafen.
Gegen 02:00h kam eine Hebamme mit der ich nicht hätte entbinden können, das wusste sie, das wusste Holger und das wusste ich...
Wir haben uns eigentlich nur angezickt, aber sie hat am frühen morgen nachgegeben, mehr oder weniger.
Sie wollte kurz mit dem Einmalkatheder Urin ablassen. Bitte! Es kam nichts, auch zwei Stunden später nicht. Auf dem Gang wurde es unruhig, es wurde diskutiert, mal wieder...
Gegen 06:00h war ich fertig und mein Mann wagte es zu kneten aufzuhören, weil er meinte seine FINGER und HÄNDE könnten nicht mehr!
Meine Stimmung war auf dem totalen Nullpunkt, ich begann die Leute anzuflehen und heulte völlig hormongesteuert.
Ich wollte mein Baby draussen haben. Die Wehen beruhigten sich nicht mehr, ich war froh, das die Fenster sicher verriegelt waren.
Ich brauchte die PDA aufgespritzt, ich wollte laufen und die Geburt weiter anheizen. Die Hebamme machte sich noch unbeliebter: 'Wir spritzen die PDA auf, wenn wir nochmals eine halbe Stunde CTG schreiben!' Holger blickte mich verlegen an und ich heulte los. Verdammt, ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits zwei Tage Wehen und seit Blasensprung regelmäßige eingeleitete Wehen, mein Rücken war nur noch ein Schmerzklumpen. Und sie wollten verhandeln...?!
Ich fragte wie es weiter gehen würde, der Muttermund war bei 2 cm, ich hatte irgendwas mit meinen Entzündungswerten im Kopf...
Ich sollte gleich mit der Ärztin reden.
Sie sagte mir kurze Zeit später, dass man mir nur noch bis Mittag geben würde und es eigentlich auf natürlichem Wege eher schlecht aussähe.
Sie hätte einen geplanten Kaiserschnitt, wenn ich mich sofort entscheide, dann könnte ich vor.
Ein Blick erübrigte alles: Kaiserschnitt.
Die nächste, auch bereits bekannte Hebamme, stand im Raum und begann kurz etwas zu rasieren und ich bekam dieses ekelige Magenschutzmittel und Holger eilte auf Klo, nachdem er wieder Papierkrams auf meine Akte verwies.
Der Arzt, der mir in der Abteilung immer suspekt vorkam, da er immer nur irgendwo stand und guckte sprach zu mir! Er klärte mich auf und sagte einmal mit Nachdruck, dass ich mich richtig entschieden habe.
Mir wurde von meiner Oberärztin, sie hatte damals auch Kira geoutet, erklärt dass es sein könnte, dass sie Kira direkt auf die Säuglingsintensiv bringen, es sei halt nicht so leicht und wenn, dann nur zur Sicherheit, es sei dann besser so. Aha!
Konnte zum Glück kaum denken. Macht doch...
Und los ging es, auf dem Gang vor dem Kreissaal sah uns Holger auch noch aus dem Augenwinkel zu den Fahrstühlen gehen, naja ich wurde geschoben, und er sprintete hinterher.
Im Keller wurde ich dann eingeschleust und Holger sollte warten, es würde sich jemand um ihn kümmern.
Ich lernte einen neuen, sehr netten, Anästhesisten kennen und wir machten scherze. Die PDA wurde ganz aufgespritzt und mir ging es so gut, ich konnte nicht fassen in wenigen Minuten Mutter zu sein. EKG Elektroden wurden aufgeklebt und die Sauerstoffversorgung über den Finger überprüft, nach etwa 10-15 Minuten ging es in den OP-Saal.
Tausende Leute waren anwesend. Mein Mann noch nicht!
Eine weitere Ärztin stellte sich vor, viele OP-Schwestern standen um mich herum und alles taten etwas. Das Neonatologenteam kam und grüßte, verschwand dann in den Nebenraum. Meine Ärztin desinfizierte meinen Bauch, zwischenzeitlich wurde wohl auch der Blasenkatheder gelegt. Die erste Frage wer meinen Mann einschleusen würde, kam von der Oberärztin.
Nach weiteren 10 Minuten kam die Hebamme und meinte, mein Mann würde noch draußen sitzen. Sie fragte, warum er denn nicht schon hier sei.
Die Oberärztin fragte in den Raum wer denn überhaupt männlich sei.
Mein Anästhesist und jemand der heute das erste Mal im Praktikum in dieser Klinik sei. Dieser Jemand hat sich dann Mühe gegeben und Holger eingeschleust.
Ich bekam warme Laken auf Arme und Brust, denn ich zitterte sehr stark.
Endlich war auch Holger im OP und für mich gab es noch etwas Sauerstoff zusätzlich über die Maske.
Nun ging es auch 'endlich' los. Ich wurde ein letztes Mal gekniffen und merkte scheinbar wirklich nur noch das, was ich bemerken sollte.
Etwa 5 - 10 Minuten später zuckelte und ruckelte es etwas doller.
Mein Anästhesist stand auf und sagt mir es sei ein Mädchen mit vielen dunklen Haaren. Ein paar wenige Augenblicke später hörte man ein lautes Schreien und einige Sauger. Ganz plötzlich wurde ein ziemlich nasses und glibberiges und lauthals brüllendes Bündel über die Seite kurz zu uns gehalten und bevor man es wirklich erkennen konnte war klein Kira im Nebenraum kräftig brüllend bei den Neonatologen.
Holger und ich waren überwältigt.
Ein paar Minuten später lag Kira auf meinem Oberkörper schräg über das Gestänge des OP-Tisches und gluckste mich an. Eigentlich waren es Saugbewegungen, aber gut, sie musste mit der Hebamme und dem Papa wieder hoch in den Kreissaal.
Ich wurde genäht und konnte es eigentlich gar nicht fassen. Auch einen klaren Gedanken zu fassen fiel mir sehr schwer. Wahre Freude war es in dem Augenblick auch nicht... Ich war erleichtert und kam mir dennoch gleich etwas schäbbig vor. Ich genoss einen Moment lang einfach die Zeit und versuchte mich zu besinnen, was aber irgendwie gar nicht klappen wollte.
Kurze Zeit später war ich fertig und die Oberärztin unterhielt sich mit mir. Sie sagte, dass alles gut verlaufen sei und wie unerwartet kräftig unsere kleine Maus sei.
Sie erwähnte sehr eindringlich, dass unsere Entscheidung die einzigst richtige Entscheidung war. Kira hatte ihren Hals mehrfach um eine ziemlich lange Nabelschnur gewickelt und hatte scheinbar auch noch genügend Nabelschnur vor dem Kopf. Es wäre also nur eine Frage der Zeit gewesen bis zum Kaiserschnitt, denn ohne Probleme hätte man sie so nicht entbinden können. Zudem wurde mir versichert, hätten viele Frauen bereits lange vorher aufgegeben, aber das interessiert einen in dem Augenblick relativ sehr wenig.
Ich wurde den Weg den ich eingeschleust wurde zurückgefahren und kam dann in den Aufwachraum. Der dortige Arzt schaut kurz auf meinen Bauch und rief im Kreissaal an, man könne mich abholen. Dort hatte die Belegschaft wahrscheinlich wirklich die Schnautze voll von mir und sie verwiesen den Arzt auf die Station und wenig später, also nach nicht mal 20 Minuten wurde ich von zwei goldigen Schwestern abgeholt. Eine sprach mir ihr Mitgefühl aus, sie selbst hätte vor vielen Jahren eine ähnliche Geburt gehabt. Komisch fand ich das, denn ich wusste nicht ob ich glücklich oder Traurig war, ich wusste immer noch gar nichts, konnte es nicht fassen das es plötzlich sooo schnell ging.
In meinem Zimmer angekommen musste ich dann doch fragen wo mein Mann sei.
Bei meiner Bettnachbarin sorgte die Antwort, dass er noch im Kreissaal sei für lautes Lachen, denn sie wusste natürlich nichts vom Kaiserschnitt. ;-)
10 Minuten später hatte ich dann Kira und Holger für mich.
Wir sind eine Familie!
Noch zwei Tage, dann wird das Wunder ein Jahr alt!
07.07.2008

Kira Marie
09.07.2007
10:00 Uhr
51 cm
3280 g
Ludwigshafen